Vom Umgang mit dem Schmerz

Sie sind auf diese Seite gekommen, weil Sie selber immer mal wieder oder aktuell Schmerzen haben?

Dann möchte ich Ihnen im Folgenden meine Erfahrungen, den Umgang mit Schmerz und was ich anbiete erläutern.

Ich denke, jeder war oder ist in seinem Leben - vielleicht sogar in der embryonalen Phase - schon einmal oder mehrmals mit dem Thema Schmerz konfrontiert worden. Jeder ist auf seine eigene Weise damit umgegangen. Die einen verdrängen, stecken es weg, machen sich oder andere dafür verantwortlich. Andere wiederum holen sich Hilfe, geben auf oder kämpfen.

Ich habe mich gefragt: „Gibt es einen gemeinsamen Umgang mit Schmerz?“ Meine Antwort lautet: „Ja, die gibt es!“

Das Schlüsselwort ist Mitgefühl.


Denn wir sind fühlende Wesen. Wir können unseren Schmerz auf körperlicher und seelischer Ebene fühlen. Und nicht nur das. Wir können den Schmerz anderer Wesen fühlen, d.h. mitfühlen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ein Mensch sich mit seinem Schmerz einem anderen Menschen zeigt und der andere mit seinem ganzen Mitgefühl da ist - ohne etwas zu tun oder zu verändern - fühlt sich der Mensch oder der Schmerz vielleicht zum ersten Mal wirklich gesehen und gefühlt, ohne etwas erklären zu müssen.

Mit dem seelischen und körperlichen Schmerz da sein zu dürfen, gesehen zu werden, "nackt" zu sein damit. Oft ist genau das für alle Beteiligten ein großes Geschenk. Wir empfangen die nackte Wahrheit, die von unserer eigenen Wahrheit gar nicht so weit entfernt ist. Damit sind wir in dem gemeinsamen Mitgefühl angekommen. Wenn wir also unser Mitgefühl erweitern, erweitern wir auch unsere Erfahrungen. Somit entsteht eine lange Kette der mitfühlenden Erfahrung.

Stellen Sie sich vor, der Kritiker in Ihnen kommt zur Ruhe. So kann sich die Erfahrung des bedingungslosen Mitgefühls ausbreiten.

Was steht hinter dem Schmerz? Angst!

Wenn wir Angst haben, verspannt sich Ihr Körper. Jede Zelle Ihres Körpers zieht sich zusammen. Sie atmen nicht mehr. Sie sind eingefroren, vielleicht wie erstarrt in einer Art Schockzustand.

Gibt es da noch Leben oder Lebendigkeit? Nein!

Zum Umgang mit Schmerz in meinen Behandlungen:

In einer körpertherapeutischen Sitzung ist auch der Schmerz nicht ausgeschlossen. Der Therapeut und der Klient sind im Mitgefühl für den Schmerz da. Wir entscheiden in jedem Moment neu, wie wir damit umgehen. Es wird ein gemeinsamer Prozess. Es fließen körper-/tanztherapeutische Arbeitselemente ein. Die Chance entfaltet sich, einen neuen Umgang mit Schmerz zu lernen. Vielleicht darf der Schmerz dann sogar gehen, wenn er gesehen wurde und seine Aufgabe erfüllt hat.

Meine eigene Erfahrung mit Schmerz:

Ich habe zwei Bandscheibenvorfalle in der Halswirbelsäule (C3/4, C5/6), die mir ab und an Schmerzen bereiten. Ganz besonders dann, wenn ich nicht achtsam und liebevoll mit mir selbst bin.

Immer wieder tauchte der Schmerz ganz massiv in meinem eigenen Körper auf. So wie ich ihn kannte, aber doch auch anders. Ich habe mich gefragt, was ist anders? Ich überprüfte mich, beobachtete mich, fragte mich. Ich kam nicht weiter.

Ich schlug einen anderen Weg ein: Ich fragte meinen Körper: „Was brauchst du? Was willst du, Schmerz, mir sagen?“ Plötzlich öffnete sich ein neues Tor. Ich bekam Zugang zu meinem Schmerz und ich trat ein.

Ich fiel in eine tiefe Trauer. Ich hatte lange nicht mehr geweint. Ich weinte und hatte das Gefühl, nicht mehr aufhören zu können. Viele, viele alte Schmerzen kamen hoch. Ich lag viele Stunden auf dem Boden und ließ geschehen, was geschah. In einem tiefen Abgrund in mir - wie in einem Keller - geschah Heilung, die ich in meiner Brust, in meinem Herzen spürte.

Als ich mich langsam vom Boden zum Sitzen aufrichtete, war der körperliche Schmerz nicht einfach weg, wie ich gehofft hatte. Er war noch da, aber mit einer anderen Qualität. Nicht mehr so massiv in meinem ganzen Körper, jede Zelle meines Körpers überflutend, sondern weicher und gelassener. Kein Kampf mehr gegen mich selbst und so tun, als ob dieser Schmerz etwas von mir Getrenntes wäre. Nein! Er ist ein Teil von mir.

Ich habe angefangen den Schmerz als meinen Freund zu sehen. Immer wenn er auftaucht, lausche ich, was er mir sagen will. Er erinnert mich daran, aufmerksam zu sein für das, was gerade geschieht. Achtsam zu sein mit dem, was ich tue und liebevoll zu mir selbst zu sein.

Wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, gehe ich nicht immer oder sogar die meiste Zeit, nicht sehr freundlich mit mir um. Deshalb sehe ich den Schmerz als eine Art Begleitung, die mich erinnert, zu mir selbst nach Hause zu kommen und mich liebevoll in die Arme zu nehmen. Ich habe aufgehört, gegen ihn zu kämpfen, ihn in den Keller zu sperren, zu beschimpfen. Denn damit trampele ich nur auf mir selbst herum. Ich gebe dem Schmerz keine Macht über mein Da-sein. Ich lade ihn auch nicht ein. Aber wenn er da ist, ist es so, dass ich ihn an den gedeckten Tisch bitte und schaue, was geschieht.

In diesem Sinne: Willkommen Leben.

Aus meiner Arbeit:

Beispiele von Menschen mit großen Schmerzen und einem anderen Umgang mit dem Schmerz:

Die Erfahrung eines krebskranken Menschen:

„Ich beobachte den Schmerz als Zeuge, entspanne und atme. Ich bin nicht der Schmerz.“

Umgang mit Schmerzen aus der Sicht einer Tanztherapielehrerin:

„Gehe mit deiner Aufmerksamkeit in einen Körperteil, der sich gut in dir an fühlt. Atme und bewege dich sanft und liebevoll mit diesem angenehmen Gefühl. Beobachte was geschieht.“

Ein Klient berichtet über das Schmerzgedächtnis:

„Nach einem Hexenschuss am Morgen brachte Frau Ruck die Lendenwirbel am Abend wieder in die richtige Stellung. Die Muskeln hatten jedoch inzwischen gelernt, wie sie mich – vollkommen schief – irgendwie stabilisierten, um mich zu schützen, damit ich nicht „durchbrach“. Sie waren noch nicht bereit, loszulassen. Erst am Morgen hatten sie etwas nachgegeben. Jedes Mal, wenn ich in den nächsten Tagen aufstand, gab es einen schmerzhaften „Aufstand“ der Muskeln, die sich daran gewöhnt hatten, mich zu schützen. Ich verstand, wie aus geringem Anlass sich die Muskeln an einen anderen, schmerzhaften Zustand gewöhnen. So entsteht das Schmerzgedächtnis und kann chronisch werden kann.“
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